Neues Buch: «Das Füchslein aus Glas»

Aus der Ankündigung des Caracol Verlags:
 

Diese neue Textsammlung von Matthias Müller ist eine Fibel der Menschlichkeit: 61 kurze, aber eindrückliche Prosastücke, subtile Erzählungen, ausgehend von Dingen, die einer Person etwas bedeuten, ihr wichtig sind, wichtig waren oder werden. Diese Texte sind unaufdringlich human, gut beobachtet und konzentriert geschrieben. Aus stilistischer Kargheit wächst ein innerer Reichtum. Viele Texte zeigen auch philosophisch das Vergehen der Zeit.

Das Heimatmuseum auf einer schwedischen Schäreninsel präsentiert, wie dessen Gründer nach dem Hinweis eines Schweizer Besuchers feststellen muss, Dinge aus aller Welt; es wird umbenannt in Unser Museum der Welt. Dieser erste Text öffnet Raum und Zeit für verschiedenste Dinge, von der Taschenpartitur über einen Gaskocher aus der Mongolei und den Stofftiger einer Seniorin bis zum helvetischen Gummigeschoss. – Die Texte von Matthias Müller sind immer auch ein Nachdenken über das Funktionieren von Sozialstrukturen, ein Plädoyer für eine lebenswerte Welt.

Das Buch auf der Webseite des Verlags

 


Textauszug

 Die Matte

Aus getrocknetem Schilf weben die fünf Frauen aus Borneo die Matte. Sie weben sie in verschiedenen Mustern, die sich ergänzen. Und die Matte leuchtet ein bisschen, golden. In die Matte weben sie schwarze geometrische Motive ein, Dreiecke, Linien, dazu einige Objekte: Tische und einen Ventilator.

Rechts oben weben sie auch ihre Namen ein: Juliath, Yee, S. Narty, Julia, Zaitun. Die Matte hängt im Kunstmuseum. Sie wirkt wie ein riesiges Poster.

Eine der Künstlerinnen sagt: «Der Tisch symbolisiert die Kolonialmacht und die Gewalt der Verwaltung. Indem wir jetzt Matten weben, können wir erkennen, wer wir wirklich sind.»

Verschiedene Frauenkollektive fangen damit an, Matten zu weben. Diese sind begehrt und werden gekauft. Die Kompositionen sind bunt, und die Künstlerinnen regen die Gestaltung eines Bandes aus farbigem Schilf an, das ihre eigenen Häuser miteinander verbindet, die auf Stelzen im Wasser stehen.

Die Tische verschwinden aus den Häusern der Weberinnen. Im Prospekt eines der Kollektive steht: «Wir freuen uns auf den Moment, wo wir unsere Männer engagieren können, um eine Produktions- und Lagerhalle zu bauen.»